goldgesicht
Michel Gotz
Wein Signe

Aus dem Leben eines Bergmannes

16. Jahrhundert.

Von Michael Götz, Brandholz

 

---  Während der langen Regierungszeit des Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach-Bayreuth (1557-1603) geschah viel zur Hebung des Bergbaus im Fichtelgebirge. Besonders durch außerordentliche Privilegien, wie Befreiung von Zins und Fronen, zollfreie Einfuhr von Lebensmitteln und Waren aller Art nach den Bergorten, sowie Belohnungen für den Finder einer abbauwürdigen Erzgrube, suchte man die Schreiblust anzuregen. Es kamen daher Abenteurer aus aller Herren Länder, um entweder beim Bergwesen eine Anstellung zu erhalten oder durch Schürfversuche ihr Glück zu machen.

---  Unter den letzteren machte sich besonders in den Jahren 1595-1601 ein gewisser Jakob Herrgott aus Böhmen unliebsam bemerkbar. Dieser hatte in der Kaltensteinach eine Eisengrube erschürft. Auch machte er Hoffnungen, hier auch Gold, Silber und andere Metalle zu finden. Doch scheinen seine Auftraggeber, Jakob Kohl und Hans Dürr in Wunsiedel, bald die Geduld verloren zu haben. Denn diese weigerten sich nicht nur, den akkordierten Lohn zu zahlen, sondern sie suchten auch durch allerlei unschöne Mittel ihm den Aufenthalt zu verleiden. Besonders beschwerte sich Herrgott beim Bergamt in Goldkronach über einen gewissen Klinger in Warmensteinach und Hans Hartung in Bischofsgrün, dass diese ihn durch Zauberei und Gespenstern „am Leibe marterten und plagten“. Auch hätten sie sein gut angetroffenes Erz dergestalt „vertan“ (verhext), dass es in Bergkies und Fels“ verwandelt wurde.

---  über das Ergebnis der vom Bergmeister Kretschmaier 1596 hierüber angestellten Untersuchung ist Näheres nicht bekannt geworden. Vermutlich fiel es für den Klüger nicht nach Wunsch aus. Nachdem er im Fußweg nach dem Ochsenkopf eine neue Grube erschürfte, bat er um Bauholz zur Erbauung eines Häuschens. Weil er aber an den Flößweihern und Holzbahnen herumhantierte, auch Wilddieben in seiner Hütte Unterschlupf gewährte, so wurde seine Bitte abschägig beschieden.

---  Hierüber ergrimmt, ließ er sich zu Schmähungen gegen die Beamten hinreißen. Die Folge war, dass er auf Ansuchen des Bergmeisters und Oberaufsehers Andreas Freiberger verhaftet wurde. Weil ihm aber nichts bestimmtes nachzuweisen war, wurde er nach 17 Wochen wieder entlassen. Die beim Gerichtsknecht auf 20 Gulden und 21 Pfennige aufgelaufenen Verpflegungskosten hatten zurHälfte der Bergmeister und der Vogt Martin Beyer zu Goldkronach, die andere Hälfte die Herrschaft zu decken. Hiermit schließen die Akten über Jakob Herrgott; wahrscheinlich hat er sich anderwärts ein neues Feld für seine schwindelhafte Tätigkeit gesucht.

 

 

Aus: Oberfränkische Heimat 2/1926

       Mein Lebenslauf

Ich bin am 31. Dezember 1868  als Sohn eines Zimmermannes in Brandholz geboren. Mein Vater entstammte einem alten Bauerngeschlecht, das schon zur Zeit des Bauernkrieges und noch heute in Escherlich ansässig ist. Die meisten seiner Vorfahren erreichten ein hohes Alter; er selbst wurde 84 Jahre alt. Meine Mutter war die Tochter des Forstarbeiters Nik. Walther, welcher im 70. Lebensjahre in einer Sandgrube bei Grassemann tödlich verunglückte. Er war der Sohn des Leinewebers und Dorfschulhalters Joh. Walther in Föllmar, der im Winter bei den Bauern, wo er Unterricht im Lesen und Schreiben erteilte, auch die Kost erhielt. Die Vorfahren meiner Mutter mütterlicherseits waren meistens Bergleute, die infolge ihres Berufes selten ein hohes Alter erreichten. Nur ihre Großmutter Margareta Barb.  geb. Bauer war 1780 geboren und 1866 gestorben. Was hatte diese alles in 86 Jahren erlebt. Als Witwe mit 13 Kinder heiratete sie noch der Lehrer Thomas Vetter in Brandholz. Nach dessen Tode lebte sie noch 24 Jahre als Witwe. Sie konnte vieles vom Krieg 1806 – 1815 und der Hungersnot 1816 –17, von den Russen und Franzosen erzählen. Auch vom Bergbau, Berggeist, Hulzfrala und Fürstensteinmännla.

Weil ich schon seit früher Jugend schwerhörig war, konnte ich keine Höhere Schule besuchen. Ich erlernte daher in Bischofsgrün zunächst die Plüschweberei. Als 1887 Bischofsgrün zum großen Teil abbrannte, wurde ich Maurer. Nun hatte ich Gelegenheit einen großen Teil von Oberfranken – Bayreuth, Creußen, Kulmbach, Pegnitz, Hof und Umgebung, wo es gerade Arbeit gab – kennen zu lernen. Von 1901 bis 1916 war ich in der Plüschfabrik in Frankenhammer, dann bis Kriegsende beim Baugeschäft Bauer in Berneck beschäftigt. Nachdem ich längere Zeit arbeitslos gewesen, versuchte ich mich in den Jahren 1920 –25 als Goldgräber und Schmelzer zu betätigen. Leider war uns bei der Bergbaugesellschaft Fichtelgold das Glück nicht hold; denn wir fanden vielen Schutt und wenig Gold. Ich griff nun wieder zu Hammer und Kelle, bis ich 1934 Altersrente erhielt. Man sieht, dass es mir im Leben an Abwechslung nicht gefehlt hat. Nun wäre noch zu erwähnen, wie ich zum Heimatforscher wurde.

Schon frühzeitig war ich ein eifriger Bücher- und Zeitungsleser gewesen. Zunächst war er Scherbers „Gemeinnütziges Lesebuch für die Bayreuthische Landesgeschichte“ , dann des Creußener Pfarrers Joh. Will  „Teutsches Paradeiß in dem vortrefflichen Fichtelberg“ gewesen, die mein Interesse für die Geschichte der engeren Heimat mächtig anregten. Deshalb ließ ich mich 1891 beim „Historischen Verein“ in Bayreuth als Mitglied aufnehmen. In der Vereinsbibliothek konnte ich nun meines Wissensdrang zur Genüge stillen. Dankbar gedenke ich der vielen Mühe, welche  ich Herrn Stadtpfarrer Aign und den Herren von der Kanzleibibliothek verursacht habe. Später schloss ich mich dem Verein „Heimat“ in Kaufbeuren an, wo ich  in den „Deutschen Gauen“ viele Anregungen fand. Nachdem ich genügend Material gesammelt hatte, konnte ich 1908 in der „Münchberg - Helmbrechtser Zeitung“ einen größeren Artikel veröffentlichen, der allgemeine Anerkennung fand. Seitdem haben der “Mainbote“, der „Siebenstern“ und andere Heimatblätter viele Aufsätze von mir gebracht. Allen Verlegern und Schriftleitern sei hier bestens gedankt. Durch die tatkräftige Unterstützung des Herrn Oberregierungsrates  Leffer in Berneck und des Herrn Verwaltungsinspektors Georg Küneth wurde mir auch die Benützung des Staatsarchives in Bamberg ermöglicht. Verschiedenen alten Bauernfamilien konnte ich den Nachweis ihres langjährigen Hofbesitzes besorgen. Außerdem konnte ich 1926 im 29. Bande des „Archives für  Geschichte und Altertumskunde für Oberfranken“ das Landbuch über die Ämter Berneck, Gefrees und Goldkronach vom J. 1533 zum Abdruck bringen. Daher wurde ich anlässlich der Hundertjahrfeier des Historischen Vereins mit einer Bronzemedaille geehrt. Durch die Güte der Herrn Geistlichen konnte ich auch die alten Pfarrbücher von Creußen bis nach Wunsiedel einsehen. Dadurch konnte ich für viele Familien aus nah und fern Ahnentafeln verfertigen. Selbst aus Brasilien, U.S.A. und Rumänien kamen Anfragen. Dann habe ich für die Gemeinden Brandholz, Escherlich und Goldmühl die Flurnamensammlung besorgt. Noch vieles hatte ich mir vorgenommen. Leider wurden alle Vorhaben durch den Ausbruch des II. Weltkrieges 1939 jäh unterbrochen. Viele Heimatblätter mussten ihr Erscheinen einstellen. Die Kanzleibibliothek wurde vernichtet. Wie es dem Staatsarchiv erging, weiß ich nicht.

 

( Handschriftliches Manuskript, undatiert nach Kriegsende )

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