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Fränkische Linie

Dr. Thomas Reinl
Ausblick von St. Jobst zur Fränkischen Linie und Fichtelgebirge

Beschreibung von Nordwest (links) bis Südost (rechts):

Vor Ihnen präsentiert sich zunächst das alles beherrschende Strukturelement der “Fränkischen Linie”, eine Störung oder Riß in der Erdkruste, die das höher herausragende Fichtelgebirge von der tieferliegenden Hügellandschaft des “obermainischen Bruchschollenlandes” trennt. Dieses verläuft von Nordwest nach Nordost und ist von Thüringen bis in den Oberpfälzer Wald nachweisbar. Hier hat eine Hebung stattgefunden, die den Fichtelgebirgsteil der Erdkruste lokal um bis zu 2000m über das unmittelbare Vorland versetzt hat.

Die hiesigen Krustenverformungen sind als Resonanz auf die Auffaltung des alpinen Gebirgskörpers zu verstehen. Das Vorland selbst ist dabei uneinheitlich bewegt worden und damit in sich zerbrochen. So wurde die vor uns liegende Senke im Keuper (Benker Sandstein) gebildet, während sich unser Standpunkt im- eigentlich tieferen- Muschelkalk befindet, ein als Reliefumkehr bezeichneter Zusammenhang. Die Ablagerungen des Muschlkalkes  sind ca. 150m dick, während die des unterlagernden Buntsandsteins und die des Rotliegenden nochmals ein Schichtpaket von ca. 700m darstellen. Erst dann sind die Gesteine des alten Grundgebirges zu erwarten die sich hier überwiegend aus Philliten zusammensetzen. Das bedeutet, daß sich die Fortsetzung des vor uns sichtbaren Fichtelgebirges  unter uns in einer Tiefe von ca. 850m befindet.

Die sichtbaren Gesteinsbildungen des Vorlands umfassen die Schichten der Trias aus dem Erdmittelalter. Sandsteine, Tone, Kalke und Salze dominieren die Zusammensetzung dieser ca. 205 - 225 Millionen Jahre alten Schichten. Diese Ablagerungen sind in einem Küstenmilieu bzw. flachen Meeresbucht unter tropischen Klimaverhältnissen entstanden. Als Beweis hierfür dienen u.a. zahlreiche Fossilienfunde, die von Vorgängern der heutigen Tintenfische stammen. Am unmittelbar benachbarten Bindlacher Berg wurden vom Grafen Münster mitunter die ersten Saurier-Abdrücke der Welt gefunden.

Sie befinden sich gegenwärtig auf einer Höhe von ziemlich genau 490m über dem Meeresspiegel. Da zur Lebenszeit dieser Tiere nicht mehr Wasser als heute das Weltmeer füllt, kann nur besagte Hebung die Voraussetzung zur Formgebung der Landschaft darstellen.

Es ist anzunehmen, daß die jüngeren Vorlandschichten ( Trias= Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper ) auch die älteren Gesteine des Fichtelgebirges überdeckt haben, durch Heraushebung aber angreifbarer für die Erosion und damit entfernt wurden. Die Ausformung der vorliegenden Landschaft ist also als Wechselspiel zwischen den klimatischen, erosiven und den inneren, aufbauenden Kräften der Erde zu verstehen. Dabei darf nicht übersehen werden, daß Vorzeitklimate z.B. wesentlich extremere Niederschläge bedeuteten, die wiederum eine unvergleichbar effektivere Erosion hervorriefen. Genau diese Kräfte führten auch zu Freilegung und damit Entdeckung der verschiedenen Erzgänge im Goldkronacher Gebiet.

Die Entwässerung des vor Ihnen liegenden Gebietes erfolgte zunächst nach Süden, über eine sehr breit angelegtes Vorlandsystem mit einem rießigen Mündungsdelta an der Donau. Dies geschah zuletzt unter tropisch- klimatischen Bedingungen vor den Eiszeiten, einer Zeit ca. 2 Millionen Jahre vor heute. Das dazugehörige Einzugsgebiet umfasste auch den Frankenwald, erkennbar an typischen Schottern, die nur dort als anstehender Fels vorkommen und wesentlich weiter südlich sowie auf der Frankenalb heute in Form von sehr dünnen Rest-Ablagerungen auftreten. Diese befinden sich auf den höchsten Gelände-Punkten und verdeutlichen somit die Lage des früheren Flussbettes.

Um die Entwicklung der Landschaftsform greifbarer vorzustellen, muß man sich eine alles umfassende Fläche bei ca. 600m ü.NN. vorstellen. An der Schwachstelle, nämlich im Bereich der markanten Gesteinsfuge zwischen massiven Grundgebirge und den weicheren Schichtgesteinen des Vorlandes, gräbt sich nach Muster der tropischen Flüsse ein sehr breites und nur wenig tiefes Entwässerungsbett ein. Die einheitlichen Höhen der vor uns liegenden Bergrücken sowie die der Frankenalb ( westlich von uns ) stellen Reste dieser Fläche dar. Die inneren Bereiche des Fichtelgebirges sind seit dieser Flächenbildung weiter angestiegen, sodaß insgesamt eine stockwerkartige Anordnung von Höhenniveaus vorliegt ( “Flächentreppe” ). Das ist auch die Erklärung dafür, daß Ochsenkopf und Schneeberg bei vergleichbaren Höhenverhältnissen nebeneinander liegen.

Mit den Eiszeiten (Beginn vor ca. 1,5 Mio. Jahren) begann eine Phase der Talbildung, als die flächenhafte  Abtragung zugunsten einer linienhaften wechselte. In die durch unterschiedliche Hebungsarten geschaffene “Flächentreppe” schneiden sich die heutigen Flußsysteme ein, zunächst allerdings noch zur Donau gerichtet. Dies ist an dem Taleischnitt unmittelbar nördlich von Goldkronach erkennbar, der auffällig nach Süden zeigt (Paß-Sraße nach Goldmühl, der Preßlich genannt.)

Als entscheidend für die hiesige Landschaftsformung muß immer wieder die Entstehung des Alpenkörpers hervorgehoben werden. Mit Einbruch des Rheingrabens als Folge dieser Erdkrustenbewegung wird die Mündung eines “Spessart- Ur-Main” tiefergelegt. So erhalten alle zum Rhein hin orientierte Entwässerungssyteme ein stärkeres Gefälle und damit mehr Erosionskraft. Dies führt zu einem “Kampf um die Wasserscheide”, nachdem das dominante Rhein-System (und damit der Main) ständig das Einzugsgebiet der Donau anzapft und somit die zentrale europäische Wasserscheide (Verlauf diagonal durch das Fichtelgebirge) nach Süden hin verlagert. Dieser Vorgang ist heute erkennbar an den Eintiefungsbeträgen, nach denen die Mainzugehörigen Gewässer wesentlich tiefer eingeschnittene Täler aufweisen als die zur Donau hin gerichteten. Das vor Ihnen liegende Gebiet wird heute von der Kronach entwässert. Dieser führte einst Edelmetalle mit sich und gab somit Anlaß für reges Goldwaschen während des späten Mittelalters.

Der frühere Goldabbau, an dem auch Alexander von Humboldt mitwirkte, befand sich am Bergrücken sichtbar hinter dem Goldkronacher Kirchturm. Unter den zahlreichen Schächten sind zwei teilweise begehbar. Die dazugehörigen Ausrüstungsgegenstände sowie Unterlagen zum historischen- geologischen Hintergrund sind im Goldkronacher Bergbau-Museum einzusehen.

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